Wenn wir eines nicht beim Lauftraining gebrauchen können, dann ist es eine laufende Nase, juckende Augen und Niesreiz. Aber jeden Frühling ist es für viele Allergiker:innen wieder so weit – die Pollensaison startet wieder und macht das Laufen im Freien unnötig kompliziert. Zum Glück gibt es einige Maßnahmen, die uns beim Laufen mit Heuschnupfen helfen können. Apothekerin Astrid Janovsky erklärt in der neuen ACHILLES RUNNING Podcastfolge, wie wir die Pollensaison überstehen und trotz Heuschnupfen unbeschwert laufen können.
Pollenallergie – wie erkennen wir sie?
Die Allergiesaison hat bereits begonnen und variiert je nach Pollenart im Startzeitpunkt. Während einige Pollenarten früh im Jahr aktiv werden, kann die Saison sich je nach Art bis in den Spätsommer oder sogar Herbst hinziehen. Besonders Birken-, Hasel- und Gräserpollen bereiten vielen Betroffenen Probleme. Gräserpollen sind besonders belastend, da sie eine lange Blütezeit haben und somit die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten können. Auch das aus Nordamerika eingeschleppte Ragweed breitet sich immer weiter aus und verursacht zunehmend Beschwerden bei Allergiker:innen.
Die Symptome einer Pollenallergie sind vielfältig: Eine laufende Nase, juckende Augen und erschwertes Atmen gehören zu den klassischen Anzeichen. Auch Hautreizungen können auftreten. Neben diesen offensichtlichen Symptomen beeinträchtigt eine Pollenallergie oft auch das allgemeine Wohlbefinden. Müdigkeit, Erschöpfung und Schlafprobleme sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen. Für Läufer:innen stellt dies ein besonderes Problem dar, da die verminderte Atmung und das reduzierte Leistungsniveau die Trainingsqualität deutlich beeinträchtigen können. Ohne Behandlung besteht zudem das Risiko, dass sich eine polleninduzierte Überempfindlichkeit zu allergischem Asthma entwickelt. Neben den klassischen Pollenallergien treten auch sogenannte Kreuzallergien auf. In diesen Fällen verwechselt das Immunsystem Eiweißstrukturen in Lebensmitteln mit denen der Pollen. Menschen mit einer Birkenpollenallergie reagieren daher beispielsweise oft empfindlich auf Äpfel, Birnen oder Nüsse. Bei einer Gräserpollenallergie sind Getreide, Melonen und Tomaten typische Auslöser.
Die Ursachen für diese allergischen Reaktionen sind noch nicht vollständig erforscht, aber mehrere Faktoren könnten dabei eine Rolle spielen. Der Klimawandel und die steigende Umweltverschmutzung begünstigen die Ausbreitung von Pollen und verlängern die Allergiesaison. Zudem geht die sogenannte Hygiene-Theorie davon aus, dass eine zu sterile Umgebung in der Kindheit das Immunsystem nicht ausreichend trainiert und dadurch eine Überempfindlichkeit gegenüber Pollen entsteht. Auch wenn viele Allergien bereits in der Kindheit auftreten, können sie sich auch später im Leben entwickeln oder verschärfen.
Medikamente & weitere Maßnahmen
Um trotz Allergie aktiv bleiben zu können, ist es wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und dementsprechend Maßnahmen zu ergreifen. Sich zuhause einzusperren und den Kontakt mit Pollen komplett zu vermeiden, ist für viele keine Option. Pollenradare helfen dabei, die aktuelle Belastung abzuschätzen. Auch das gezielte Meiden von Parks und Wiesen kann hilfreich sein. Doch es gibt auch medikamentöse Unterstützung und in den meisten Fällen reichen bereits rezeptfreie Medikamente aus, um die Symptome von Heuschnupfen zu lindern.
Antihistaminika – erhältlich als Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen – blockieren allergische Reaktionen und lindern typische Symptome wie Niesen, tränende Augen oder eine verstopfte Nase. In den letzten Jahren haben sich Allergiemedikamente stark verbessert. Während ältere Antihistaminika oft starke Müdigkeit verursachten und heute eher als Schlafmittel dienen, sorgen moderne Wirkstoffe wie Desloratadin und Bilastin für eine bessere Verträglichkeit. Besonders sportlich aktive Menschen profitieren davon, weil diese Medikamente die Leistungsfähigkeit erhalten und kaum müde machen. Wer Antihistaminika einnimmt, sollte sie regelmäßig und präventiv nutzen, um die Wirkung zu optimieren. Nach etwa 20 bis 30 Minuten setzen sie ein, weshalb eine rechtzeitige Einnahme wichtig ist. Um mögliche Nebenwirkungen zu reduzieren, hilft es, ausreichend Flüssigkeit zu trinken.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet die Immuntherapie, auch Desensibilisierung genannt. Ärzt:innen verabreichen über mehrere Jahre hinweg geringe Dosen des Allergens, damit sich das Immunsystem langsam daran gewöhnt. Diese Therapie kann langfristig starke Allergiebeschwerden lindern oder sogar heilen. Allerdings wirkt sie nicht bei allen Pollenarten.
Extra-Tipps für Läufer:innen mit Heuschnupfen
Neben der Einnahme von Antihistaminika können Läufer:innen mit Heuschnupfen weitere Maßnahmen ergreifen, um ihre Beschwerden zu minimieren. Ein wichtiger Faktor ist die richtige Tageszeit: In der Stadt ist die Pollenbelastung morgens zwischen 6 und 8 Uhr am geringsten, sodass sich ein Lauf zu dieser Zeit besonders anbietet. Auf dem Land hingegen sollten Läufer:innen besser abends trainieren, da in den frühen Morgenstunden viele Pollen freigesetzt werden.
Auch die Wahl der Laufrouten spielt eine große Rolle. In der Stadt sind die Bedingungen für Allergiker:innen oft besser als auf dem Land. Wälder enthalten zwar weniger Gräserpollen, dafür aber viele Baumpollen. Offene Wiesen sind für Gräserallergiker:innen besonders problematisch. Wer seine Reaktionen auf verschiedene Strecken beobachtet, kann herausfinden, welche Umgebung sich am besten eignet. Zusätzlich beeinflussen Wetterbedingungen den Pollenflug: An windigen Tagen sind besonders viele Pollen in der Luft, während Regen sie kurzfristig aus der Luft wäscht. Direkt nach einem Regenschauer kann die Belastung jedoch kurzzeitig ansteigen, bevor die Luft später deutlich sauberer wird.
Nach dem Training ist es wichtig, sich nicht unnötig weiter Pollen auszusetzen. Die Kleidung sollte sofort gewechselt und nicht in der Wohnung verteilt werden. Haare sollten gewaschen oder zumindest feucht abgewischt werden, um anhaftende Pollen zu entfernen. Teppiche, Vorhänge und Bettwäsche können ebenfalls Pollenfänger sein und sollten möglichst nicht draußen trocknen. Für zusätzlichen Schutz können spezielle Sportmasken helfen, die Pollen aus der Atemluft filtern. Allerdings erschweren sie die Atmung und schützen nicht die Augen, über deren Schleimhäute ebenfalls allergieauslösende Partikel in den Körper gelangen können.
Für mehr hilfreiche Tipps, hör in unsere neue Folge rein – wie immer erhältlich auf Spotify, Apple Podcasts oder auch im Videoformat auf YouTube!